imageDie jährlich durchgeführte Umfrage der Swisscanto Vorsorge AG unter den Schweizer Pensionskassen widerspiegelt die anspruchsvolle Situation, in der sich die Pensionskassen und die berufliche Vorsorge aktuell befinden. Nach der Aufhebung des Euromindestkurses und der Einführung von Negativzinsen betrug die durchschnittliche Performance der Pensionskassen im Jahr 2015 1,13 Prozent gegenüber 7,13 Prozent im Vorjahr. Das angespannte Anlagejahr 2015 hat zu höheren Risikopositionen in der Vermögensallokation geführt. Zudem hat es die Pensionskassen im Vergleich zum Vorjahr Deckungsgrade gekostet. Othmar Simeon, Leiter der Swisscanto Vorsorge AG, kommentiert: „Trotz einem angespannten Anlagejahr 2015 verfügen die meisten Pensionskassen mit etwa 10 Prozent noch über genügend Reserven, um auf kurz- und mittelfristige Schwankungen zu reagieren. Damit ist die Finanzierungssituation der Schweizer Pensionskassen derzeit stabil.“

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Das Altersguthaben der aktiven Beitragszahler ist aufgrund der herausfordernden Kapitalmärkte gegenüber dem Vorjahr tiefer verzinst, im Jahr 2015 durchschnittlich zu 2,03 Prozent (2014: 2,55 Prozent). Im Vergleich dazu beträgt die Verzinsung der Vorsorgekapitalien der Rentenbezüger 2,80 Prozent. Aus der Differenz der Verzinsungen resultiert ein Ungleichgewicht der aktiven Beitragszahler zugunsten der aktuell Pensionierten. Während die Verpflichtungen gegenüber den aktuellen Rentenbezügern durch das Gesetz keine Anpassungen an das anhaltende Tiefzinsumfeld erlauben, erzielen die Vorsorgekapitalien keine hinreichende Rendite an den Kapitalmärkten, um den Verpflichtungen nachzukommen.

Die entstehende Lücke veranlasst Pensionskassen, ihre in den guten Vorjahren geäufneten Reserven zu nutzen. Nebst den gesicherten Renten profitieren die Rentenbezüger aktuell zusätzlich von der negativen Teuerung, die Kaufkraft der Rente hat sich in den letzten fünf Jahren erhöht. Es findet eine Umverteilung zulasten der aktiven Beitragszahler statt, und der Druck auf die Pensionskassen, die Leistungen bei den aktiv Versicherten nach unten anzupassen, erhöht sich.

Die Studie zeigt, dass sowohl die privat- als auch öffentlich-rechtlichen Institutionen auf die ständig steigende Lebenserwartung sowie die herausfordernden Kapitalmärkte reagieren. So korrigierten die Kassen unter Druck der zunehmenden Umverteilung und in Erwartung tieferer Renditen die technische Verzinsung der Altersguthaben weiter nach unten. Durch die Senkung des technischen Zinssatzes wird die Sollrendite geringer. Ziel der Kassen ist es dank einer niedrigeren Sollrendite ihren Deckungsgrad und damit die Reserven zu halten. Seit 2007 haben privatrechtliche Pensionskassen im Beitragsprimat ihren technischen Zinssatz von 3,51 auf 2,47 Prozent gesenkt, die öffentlich-rechtlichen von 3,69 auf 2,74 Prozent.

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Der rückläufige Trend des technischen Zinssatzes wirkt sich auf den Umwandlungssatz aus. Seit 2002 sank der Umwandlungssatz kontinuierlich. Im Jahr 2016 beträgt dessen Mittelwert für Männer bei einer Pensionierung mit 65 Jahren 6,13 Prozent, gegenüber 7,13 Prozent im Jahr 2002. Eine weitere Massnahme zur Sicherung der Finanzierungssituation ist schliesslich die Erhöhung des Rentenalters. Derzeit haben rund 90 Prozent der Pensionskassen das Rücktrittsalter für Männer auf 65 Jahre festgesetzt. Für 31 Prozent der Frauen ist heute das Rücktrittsalter 65 Fakt. René Raths, Leiter Pensionskassen bei der Zürcher Kantonalbank, kommentiert: „Die Vorsorgeinstitute haben den technischen Zinssatz und den Umwandlungssatz auf ein richtiges Mass gesenkt. Langfristig rechnen wir mit zusätzlichen Anpassungen – auch auf gesetzlicher Seite – denn das Spannungsfeld zwischen der Aktiv- und Passivseite wird sich weiter akzentuieren.“

Im Anlagejahr 2015 erzielten die Pensionskassen eine Performance von durchschnittlich 1,13 Prozent (Vorjahr: 7,31 Prozent). Somit verfehlten die Vorsorgeeinrichtungen die durchschnittlich angestrebte Zielrendite von 3,9 Prozent, aber auch die Mindestzinsvorgabe von 1,75 Prozent deutlich, trotz einer Zunahme der risikobehafteten Anlagen. Zahlreiche Pensionskassen reduzieren ihre Beteiligungen von Schweizer Obligationen und investieren vermehrt in Immobilien – waren 2007 noch 17,1 Prozent der Pensionskassen-Assets in Immobilien investiert, so sind es 2015 21,9 Prozent.

Daneben finden eine Diversifikation in Alternative Anlagen und ein Anstieg der Aktienquote statt. Alternative Anlagen nehmen in einem durchschnittlichen Portfolio heute 6,1 Prozent (Vorjahr 5,4 Prozent) ein. Iwan Deplazes, Leiter Asset Management der Zürcher Kantonalbank, ergänzt: „Das Tief- bzw. Negativzinsumfeld bedingt zunehmend eine aktive Bewirtschaftung der Vorsorgegelder. Die Suche nach angemessenen Renditen geht mit der Hinwendung zu risikoreicheren, komplexeren Anlageklassen einher.“

Die „Schweizer Pensionskassenstudie 2016“ verzeichnet eine Rekordteilnahme von 467 Vorsorgeeinrichtungen (Vorjahr 437). Deren Vorsorgevermögen beträgt total 581 Mrd. Franken (Vorjahr 560 Mrd. Franken). Die teilnehmenden Kassen stehen für 3,4 Mio. Versicherte, 2,6 Mio. Aktive und 800‘000 Rentenbezüger. Die Umfrageergebnisse repräsentieren rund ein Viertel der privaten und rund drei Viertel der öffentlich-rechtlichen Pensionskassen mit zwei Dritteln aller Destinatäre. Gemessen an der Bilanzsumme bringen die Teilnehmer gut 80 Prozent der in der Schweiz aufgeführten Vorsorgevermögen zusammen.

  Swisscanto PK-Studie / Bericht Cash / Money Cab / NZZ