imageDer Bund hat mit PK-Experte Martin Schnider ein Interview über die Situation der beiden Berner Kantonskassen geführt. Auszüge:

Derzeit ist viel vom technischen Zinssatz die Rede. Die Bernische Pensionskasse, in der die bernischen Staatsangestellten versichert sind, will den Zinssatz von 3,5 gleich auf 2,5 Prozent senken. Die Deckungslücke steigt dadurch auf gegen drei Milliarden Franken. Muss das unbedingt sein?
Der technische Zinssatz spiegelt die erwartete, künftige Rendite der Vermögen. Die Prognosen zeigen, dass man in den nächsten Jahren nicht mehr als 2,5 bis 3 Prozent erwirtschaften kann, ohne übermässige Risiken einzugehen. Dann muss man noch die Zunahme der Lebenserwartung und die Verwaltungskosten in Betracht ziehen, was ein halbes Prozent ausmacht. Man landet also bei 2,5 Prozent.

Ihrer Meinung nach gibt es keine andere Möglichkeit?
Wenn man alle Fakten auf den Tisch legt, nein.

Der Regierungsrat denkt daran, den Zinssatz auf 3 Prozent zu senken. Was sagen Sie dazu?
Das ist meiner Meinung nach Sand in die Augen gestreut. Rein ökonomisch führt kein Weg an einer stärkeren Senkung vorbei. Möglicherweise stellen sich die 3 Prozent aber als politisch gangbarer Weg heraus.

Würde der Kanton alles abdecken und die Reserven aufstocken, käme man auf 8,5 Milliarden Franken für die beiden Kassen.
Das ist nicht denkbar, einen so hohen Betrag würden die Steuerzahler nicht akzeptieren. Darum wird es wohl eher auf eine Teilkapitalisierung mit einer Anerkennung der Schuld hinauslaufen. Eine Teilkapitalisierung ist für öffentlich-rechtliche Pensionskassen unter der Voraussetzung einer Staatsgarantie möglich. Die Vollkapitalisierung ist für privatrechtliche und für öffentlich-rechtliche Pensionskassen ohne Staatsgarantie zwingend. Bei der Beurteilung ist immer auch die Struktur und die Bonität respektive das Liquidationsrisiko des Arbeitgebers zu beurteilen. Die Gefahr der Liquidierung ist bei einer staatlichen Kasse kaum vorhanden.

Letztlich funktioniert das System aber ohne eine ausreichende Rendite nicht. Wird sich die Situation an den Finanzmärkten wieder verbessern?
Da draussen ist sehr dicker Nebel. Es sieht kurz- und mittelfristig eher nicht danach aus. Die Bundesobligationen mit einer Laufzeit von zehn Jahren werfen 0,5 Prozent ab, das heisst eigentlich, dass während eines ganzen Jahrzehnts mit tiefen Zinsen zu rechnen ist.

 Bund

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