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Die aktuelle Diskussion

Umwandlungssatz

 

Mit dem Bericht des Bundesrates zur Zukunft der 2. Säule läuft im Herbst 2011 die nächste Runde der Diskussion um die Senkung des Mindest-Umwandlungssatzes an. Die Arbeitnehmer-Organisationen bringen sich bereits in Stellung.

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Strukturreform

Die Vernehmlassung zu den Ausführungsbestimmungen zur Strukturrevision in BVV1, BVV2 und der neuen ASV hatte heftige Diskussionen ausgelöst. Die schliesslich in Kraft gesetzten Bestimmungen aber wurden mit Erleichterung zur Kenntnis genommen. Verfolgen Sie hier die Entwicklung und laden Sie alle wichtigen Dokumente herunter.

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Nr. 207
Die neuste Ausgabe

BVG-aktuell Themen

Entries in Umwandlungssatz (148)

5:56PM

Roche PK: Sparprozess ab Alter 20, UWS auf der schiefen Bahn

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Rita Flubacher schreibt im Tagesanzeiger / Bund über Neuerungen bei der Roche-Pensionskasse. “Neu ist, dass der Stiftungsrat des Pharmamultis die Alterslimite, ab der Beiträge in der beruflichen Vorsorge einbezahlt werden müssen, von 25 Jahren auf 20 Jahre gesenkt hat. Den jungen Angestellten werden seit Jahresbeginn 3,5 Prozent ihres Gehalts direkt abgezogen, um ein Altersguthaben aufzubauen. Der Arbeitgeber bezahlt den doppelten Betrag, nämlich 7 Prozent vom versicherten Einkommen, in die Kasse ein. Bis zum Alter 25 summieren sich so rund 14’400 Franken mehr auf dem individuellen Vorsorgekonto. Laut Stiftungsratspräsident Gottfried Keller sind 150 Mitarbeitende oder knapp 2 Prozent der Belegschaft betroffen. Das durchschnittliche Gehalt liege bei 65’000 Franken. Die Betroffenen hätten praktisch keine Reaktion auf die Neuerung gezeigt, erklärt Keller.”

“Darüber empört sich der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB). Der Schritt sei “krass”, kritisierte SGB-Vorsorge-Spezialistin Doris Bianchi im «Blick». «Das sollte nicht Schule machen; die jungen Leute brauchen das Geld in diesem Alter.» Andere Vorsorgeeinrichtungen interessieren sich allerdings für das Vorpreschen von Roche, wie Keller und Robert Aeby, der Leiter der Pensionskasse, erklären. Mit Recht: Die Senkung auf 20 ist eine der Optionen, die der zu Jahresbeginn veröffentlichte «Bericht des Bundesrates zuhanden der Bundesversammlung über die Zukunft der 2. Säule» als Lösungsansatz auflistet.”

Im weiteren wird im Bund-Artikel die aktuelle Entwicklung bei der Anpassung der Umwandlungssätze aufgezeigt: “Die Umwandlungssätze für die Altersguthaben über dem BVG-Obligatorium schmelzen dahin: Publica, die Pensionskasse des Bundes, wird den Satz Mitte dieses Jahres auf 6,15 Prozent senken - die SBB ihren im Herbst auf 5,85 Prozent. Previs, die frühere Pensionskasse bernischer Gemeinden, wird ihn bis nächstes Jahr auf 6 Prozent drücken. Diesen Schritt schon vollzogen haben etwa die Kassen des Kantons Luzern (6,15), der Stadt Luzern (6,20), der UBS (6,05) und der Credit Suisse (6,20 bis 6,35, je nach Alter). Selbst die Pensionskasse des VPOD, der Gewerkschaft des Personals öffentlicher Dienste, weist einen deutlich tieferen Umwandlungssatz auf.”

Artikel Bund

12:30PM

Vorschlag für eine UWS-Senkung mit Begleitmassnahmen

Olivier Deprez und Jorge Serra schlagen in einem Beitrag in der NZZ einen Weg vor, um aus der Sackgasse nach der letztjährigen Umwandlungssatz-Abstimmung herauszukommen. Das Duo aus PK-Experte und Gewerkschafter ist der Meinung, dass “das Fehlen einer Kompensation, die dem Erhalt der Ersatzquote aus der ersten und der zweiten Säule dienen sollte, für den Abstimmungsausgang wesentlich mitverantwortlich war. Die Gegner der Vorlage haben aber immer betont, dass sie nichts gegen einen versicherungstechnisch korrekt berechneten Umwandlungssatz einzuwenden hätten, wenn gleichzeitig flankierende Massnahmen ergriffen würden. Dieser Beitrag versteht sich als Vorschlag für eine mögliche Senkung des Umwandlungssatzes mit gleichzeitigem Massnahmenpaket zur Abfederung des Leistungsabbaus. Denn ohne flankierende Massnahmen dürfte es ein weiterer Versuch zur Senkung des Umwandlungssatzes an der Urne erneut sehr schwer haben.”

Die flankierenden Massnahmen für eine Senkung des UWS von 6,8 auf 6,2% bestehen aus einer Senkung des Koordinationsbetrags von 7/8 auf 6/8 der max. AHV-Altersrente, einer Erhöhung der Altersgutschriften um 0,5% sowie (als Kompensation für ältere Versicherte) einer Erhöhung der Altersguthaben der Jahrgänge 1950-61 um max. 8,8% mittels eines Pools. Dieser würde beim Sicherheitsfonds eingerichtet und Zuschüsse an Kassen mit ungünstiger Altersstruktur bezahlen.

Die Autoren halten fest: “Die vorgeschlagene Poollösung bietet die Möglichkeit, den BVG-Umwandlungssatz in einem Schritt und trotzdem sozialverträglich von 6,8 auf 6,2 Prozent zu senken. Die bei der Invalidenversicherung eingeleiteten Massnahmen für eine Reduktion der Kosten sollten sich auch im BVG niederschlagen. Wenn dann noch gleichzeitig bei den Vermögensverwaltungskosten und bei den Risikoprämien in den Sammelstiftungen der Privatassekuranz Verbesserungen und mehr Transparenz erzielt würden, könnte die zweite Säule zur Abwechslung wieder einmal für positive Schlagzeilen sorgen.”

 Artikel Deprez Serra

4:57PM

Sonntagsblick: “Das PK-Puff”

imageWerner Vontobel handelt unter dem (von der Politik inspirierten?) Begriff “Das Pensionskassen-Puff” im Sonntagsblick die laufenden Kürzungen der Umwandlungssätze schweizerischer Pensionskassen ab. Er schreibt: “In den vergangenen Monaten haben verschiedene grosse Pensionskassen ihren Umwandlungssatz gekürzt. Publica, die Pensionskasse des Bundes, will den Satz auf 6,15 Prozent senken, das Verlagshaus Ringier in dem auch SonntagsBlick erscheint auf 6 Prozent, der Kanton Solothurn auf 5,97 und die SBB auf 5,848. Das entspricht Rentenkürzungen von bis zu 11 Prozent. Doch auch ein Umwandlungssatz von 5,8 Prozent erfordert mindestens eine Rendite von 3,5 Prozent. Und selbst für einen Satz von 5 Prozent muss sich das Kapital der Pensionierten noch mit 2,3 Prozent verzinsen. Gemäss dem Index der CS erwirtschafteten die Schweizer Pensionskassen seit 2000 aber nur 1,67 Prozent Jahresrendite.

Doch da wäre noch ein weiteres Problem. Die Pensionskassen dürfen nach geltendem Recht nur die künftigen Renten senken und dies auch nur solange sie das gesetzliche Minimum nicht unterschreiten. Bestehende Renten sind tabu. Selbst bei einem Anlageertrag von 2,3 Prozent müsste eine durchschnittliche  Pensionskasse den Umwandlungssatz für die neuen Rentner deshalb auf 4 Prozent senken, um die hohen Ansprüche der alten Rentner voll zu erfüllen. Damit lägen neue Renten gut 40 Prozent tiefer als alte ... bei gleichen Beiträgen wohlverstanden.

Im Bundesamt für Sozialversicherung ist Colette Nova für die berufliche Vorsorge zuständig. Sie gibt zu: «Wenn die Renditen nicht stark anziehen, besteht die Gefahr, dass die Pensionskassen in eine Schieflage geraten.» Ihr Bundesamt sei daran, Lösungsvorschläge auszuarbeiten. Kürzungen von bestehenden Renten seien nicht vorgesehen. Was auch damit zu tun haben kann, dass das Volk 2010 eine Kürzung des Mindestumwandlungssatzes für die gesetzliche Mindestleistungen auf 6,4 Prozent mit grosser Mehrheit abgelehnt hat. Doch Werner Hertzog (Aon Hewitt) drängt zur Eile: «Wir müssen jetzt die Karten offen auf den Tisch legen. Totschweigen bringt nichts.»

 Sonntags-Blick

12:01PM

Colette Nova: “Umwandlungssatz muss rasch sinken”

imageIn einem Interview mit dem Sonntag äusserte sich die frühere Gewerkschaftssekretärin und heutige Vizedirektorin im BSV, Colette Nova, zum Umwandlungssatz. Auszüge:

Frau Nova, sind die Renten heute zu hoch?
Colette Nova:
In vielen Fällen: ja. Es leiden besonders Pensionskassen, die gezwungen sind, den gesetzlich vorgeschriebenen Umwandlungssatz von 6,8 Prozent anzuwenden. Diese Kassen verlieren jedes Jahr Geld. Das sind meist Kassen mit Versicherten, die rund 83 500 Franken oder weniger im Jahr verdienen.

Um wie viel zu hoch sind denn deren Renten?
Es gibt zwischen den einzelnen Pensionskassen grosse Unterschiede. Man rechnet damit, dass diesen Kassen jedes Jahr 300 bis 600 Millionen Franken fehlen. Kassen mit vielen Versicherten mit höheren Löhnen haben mehr Spielraum.

Die Renten werden auch bezahlt, als wenn nichts wäre.
Ja. Die Reserven müssen aufgebraucht werden, und durch die schlechtere Verzinsung steigt das Alterskapital der Aktiven weniger. Natürlich wird es als unfair empfunden, wenn das Kapital der heutigen Rentner mit 4 Prozent verzinst wird und Berufstätige ab 2012 nur noch den Mindestzins von 1,5 Prozent erhalten. Aber es ist nun mal so: Wenn der Zins der einen Gruppe zu hoch ist, dann kann die Pensionskasse das nur kompensieren, wenn sie der anderen Gruppe weniger gibt. Es geht also nicht anders.

Das Volk hat die Senkung von 6,8 auf 6,4 Prozent im März 2010 überaus deutlich verworfen.
Die Abstimmung hat deutlich gemacht, dass die Stimmbevölkerung keine Senkung der nominellen Renten akzeptiert. Wenn man nun den Umwandlungssatz senken und die Renten nominell gleich hoch halten will, dann gibt's eigentlich nur eine Lösung: Wir müssen mehr in die berufliche Vorsorge einzahlen - indem wir mehr Lohnprozente abgeben  oder den Koordinationsabzug senken. Im zweiten Fall bleibt der Lohnprozentsatz gleich, wird aber auf einem grösseren Teil des Lohnes angewendet. Oder man kann beide Massnahmen kombinieren.

Die Linke wehrt sich gegen den neuen Sozialabbau, auch mit dem Argument, dass der Bund immer den Hang hat, die Lage zu dramatisieren. Bei der AHV jedenfalls hat sich der Bund ein paarmal getäuscht.
Das kann man nicht vergleichen: Es geht hier nicht um Modellrechnungen wie im Fall der AHV. Wir reden hier von den Anlagen und dem erreichbaren Anlagegewinn in der zweiten Säule, und dafür braucht es keine Prognosen. Dafür reicht ein Blick in die Realität. Allein die Unterdeckung der «normalen» Pensionskassen ohne Staatsgarantie beläuft sich heute auf total fast 17 Milliarden Franken!

 Interview Nova

5:51PM

BZ: Verwirrungen um den UWS

Claude Chatelain begründet in der Berner Zeitung, weshalb die PK SBB den Umwandlungssatz auf 5,8% senken darf, obwohl die Stimmbürger im vergangenen Jahr eine Senkung auf 6,4% wuchtig verworfen hatten. Zudem ist zu erfahren, dass die Jungfraubahnen ihren UWS auf 6,0% senken.

 Berner Zeitung

6:26PM

Motion: Umwandlungssatz entpolitisieren

Eingereichter Text: Der Bundesrat wird beauftragt, das Bundesgesetz über die berufliche Vorsorge dahingehend anzupassen, dass der Umwandlungssatz automatisch den tatsächlichen Leistungsmöglichkeiten angepasst wird; das heisst unter Berücksichtigung der Lebenserwartung, des angesparten Kapitals sowie der erzielbaren Renditen. Der Umwandlungssatz soll also nicht mehr von politischen Entscheiden abhängen.

Begründung: Die derzeitige Situation der 2. Säule ist besorgniserregend. Die Renditen reichen bei Weitem nicht aus, um die Rentenleistungen gemäss dem Umwandlungssatz zu gewährleisten. Die Pensionskassen sehen sich also gezwungen, auf ihre Reserven oder ihre Aktiven zurückzugreifen, damit die Versicherten ihre Rente beziehen können, oder sie müssen auf das von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern angesparte Kapital zurückgreifen, um die laufenden Renten zu finanzieren. Im Jahr 2009 wurden auf diese Weise rund 600 Millionen Franken umverteilt. Deshalb muss der Umwandlungssatz rasch an die Realität angepasst werden.

Eingereicht von der FDP-Liberale Fraktion.

 Motion

9:25AM

Could We Really Live to 150?

Sonia Arrison, author of a new book on longevity, explains how scientific advances are making radical life expansion -- to age 150 and beyond -- a possibility, and what it could mean for human existence.

 WSJ

2:51PM

PK Solothurn vor Senkung des UWS

solothurnDie Solothurner Zeitung berichtet über die Teilrevision der PKSO, die u.a. eine Senkung des Umwandlungssatzes von 6,74 auf 5,97% vorsieht. Die Soz schreibt: “Der UWS soll in fünf Jahresschritten bis 2016 von 6,74 auf 5,97 Prozent gesenkt werden. Unbestritten ist: Rund 10 Mio. Franken Verlust jährlich macht die PKSO aufgrund der zu hohen Umwandlungssätze. Die Renten sind somit unterfinanziert. Grund dafür ist unter anderem die angestiegene durchschnittliche Lebenserwartung. Laut der Regierung handelt es sich nicht um eine Sanierungsmassnahme, sondern es gehe vielmehr darum, das Loch der Kasse ab 2016 mit unterfinanzierten Renten nicht noch grösser werden zu lassen. Mit der schrittweisen Senkung fallen bis 2016 immer noch 24 Mio. Franken Verlust an. Die Statuten der PKSO schreiben einen versicherungstechnisch korrekten Umwandlungssatz vor. Unbestritten ist aber ebenso: Die Senkung trifft die Versicherten massiv. Im Jahr 2012 beträgt die Renteneinbusse 3 Prozent der heutigen Rentenansprüche, im Jahr 2013 5 Prozent, 2014 7,1 Prozent, 2015 9,2 Prozent und ab 2016 satte 11,4 Prozent. Entsprechend ist der Widerstand der Personalverbände gross.”

12:10PM

AZ: “UWS nicht in Stein gemeisselt”

Die Aargauer Zeitung befasst sich mit dem Umwandlungssatz und hat diverse Stimmen von Verbänden und aus der Politik gesammelt. “Die ehemaligen Befürworter einer Senkung nehmen den Ball gerne auf: «Es bleibt uns nichts anders übrig, als die Diskussion um den Umwandlungssatz neu zu starten. Sonst müssen die Aktiven die Löcher bezahlen», sagt SVP-Nationalrat Hans Kaufmann. Er glaube nicht, dass der Umwandlungssatz für bereits in Pension weilende gesenkt wird: «Wahrscheinlich müssen die Aktiven zahlen.»

Auch FDP-Nationalrätin Marianne Kleiner macht sich für eine Wiederaufnahme der politischen Diskussion stark. «Ich war und bin immer noch eine Verfechterin eines tieferen Umwandlungssatzes.» Heute müssten die jungen Arbeitnehmer einen gewissen Teil der Renten im Umlageverfahren bezahlen, was nicht in Ordnung sei.

Mit Blick auf die langfristige Renditesituation und die Demografie sei eine Korrektur wohl trotz der Volksabstimmung vor eineinhalb Jahren notwendig, sagt CVP-Nationalrat Pirmin Bischof. Er betont aber: «Jedoch erst als letzte Massnahme.» Selbst die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz, vor eineinhalb Jahren eine Gegnerin der Senkung, zeigt sich diskussionsbereit: «Der Umwandlungssatz ist nicht in Stein gemeisselt.» Es könne nicht sein, dass die Sanierung nur auf Kosten der Erwerbstätigen gehe. “Im schlimmsten Fall man sich überlegen, wie man die Rentner beteiligt.”

11:14AM

SGB will keine neue UWS-Anpassung

imageDer Schweizerische Gewerkschaftsbund geht davon aus, dass wegen der Frankenaufwertung in den letzten 20 Monaten bis zu 50 Milliarden Franken an Pensionskassengeldern vernichtet wurden. Dies sagt Gewerkschaftsökonom Daniel Lampart im Interview der Zeitung „Der Sonntag“. Der Ökonom kritisiert zudem das Bundesamt für Sozialversicherungen und das Departement von Didier Burkhalter scharf. Dieses geht davon aus, dass der Umwandlungssatz bei Pensionskassen und somit die Höhe der Renten gesenkt werden muss. „Diese Behauptung ist nicht seriös begründet“, sagt Lampart. „Es fehlen Argumente, warum die Renditen in Zukunft sein sollen, wie sie momentan sind.“ Die globale Inflation werde höher ausfallen, wenn in China die Löhne steigen oder das Land aufwerten müsse. Und in der Euro-Zone stiegen die Zinsen. „Das muss man genau anschauen, schliesslich geht es da um unsere Renten. Einmal mehr ist das Departement von Didier Burkhalter sehr salopp unterwegs, was die ökonomischen Grundlagen von wichtigen Sozialwerken betrifft.“  Auszug aus dem Interview:

Müssen der Umwandlungssatz und damit die Renten gesenkt werden?
Sicher nicht. Doch das Bundesamt für Sozialversicherung behauptet, gestützt auf Vergangenheitsvergleiche, dass künftig die Renditen tiefer ausfallen würden und deshalb auch ein Umwandlungssatz von 6,8 Prozent nicht finanzierbar sei. Diese Behauptung ist nicht seriös begründet.

Wieso?
Es fehlen Argumente, warum die Renditen in Zukunft sein sollen, wie sie momentan sind. Die globale Inflation wird höher ausfallen, wenn in China die Löhne steigen oder das Land aufwerten muss. Und in der Euro-Zone steigen die Zinsen. Das muss man genau anschauen, schliesslich geht es da um unsere Renten. Einmal mehr ist das Departement von Didier Burkhalter sehr salopp unterwegs, was die ökonomischen Grundlagen von wichtigen Sozialwerken betrifft. Früher hat es bei der AHV schwarzgemalt – und musste sich nun korrigieren. Jetzt fängt das Spiel bei der zweiten Säule wieder von vorne an. Das geht nicht.

 Der Sonntag

5:12PM

Paul Rechsteiner, die PKs und der Umwandlungssatz

In einem Interview mit der Basler Zeitung ging SGB-Präsident Paul Rechsteiner auch auf Fragen betreffend Finanzierungssituation der Pensionskassen und der notwendigen Anpassung des Mindestumwandlungssatze ein. Hier seine bemerkenswerten Aussagen:

Nicht nur die Löhne kommen unter Druck, sondern auch die Pensionskassen. Welche Forderungen stellen Sie hier?
Hier verhält es sich genau so wie bei den Löhnen oder der längeren Arbeitszeit. Es darf nicht sein, dass die Arbeitnehmenden büssen müssen, weil bei der SNB die Hausaufgaben nicht gemacht werden

Sind Sie bereit , über Rentenkürzungen oder eine Herabsetzung des Mindestumwandlungssatzes zu sprechen?
Eine Rentenkürzung kommt für die Gewerkschaften nicht infrage. Die Renten sichern das Einkommen der Pensionierten. Das Geld wurde ihnen versprochen. Sie sind darauf angewiesen. Es steht ihnen auch zu. Und die Herabsetzung des Rentenumwandlungssatzes wurde vom Stimmvolk 2010 mit eindrücklichem Mehr von 73 Prozent abgelehnt. Das bedeutet, dass es bei den Renten keinen Spielraum nach unten gibt.

Das bedeutet aber vor allem auch, dass die Arbeitnehmer auch künftig die Hauptlast tragen werden, wenn Kassen aufgrund der Krise in Schieflage geraten.
Es darf nicht sein, dass die Arbeitneh­mer für die Spekulationen auf den Devisenmärkten und die fehlende Wechselkurspolitik der Nationalbank bezahlen. Die anderen Fälle von Sanierungen betreffen Kassen, die aus anderen Gründen in Schieflage gera­ten sind. Hier müssen die Arbeitgeber alles Interesse daran haben, die Sache in Ordnung zu bringen. Eine Pensionskasse in Unterdeckung ist eine schlechte Empfehlung, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können. In solchen Fallen braucht es Sonderbeiträge der Arbeitgeber, um eine Unter­deckung zu beheben.

12:13PM

Umwandlungssatz: “Gewerkschaften verhandlungsbereit”

Auf der Website von SR DRS heisst es: “Da sich die Aktienkurse in den vergangenen Tagen auf Talfahrt befanden, schmelzen den Pensionskassen die Renditen weg.  Angesichts dieser Entwicklungen zeigen sich die Gewerkschaften verhandlungsbereit und sind unter bestimmten Bedingungen bereit, über einen tieferen Renten-Umwandlungssatz zu sprechen.

Doris Bianchi vom Gewerkschaftsbund sagte gegenüber Schweizer Radio DRS, angesichts der kleineren Renditen, wolle man nun darüber reden, wie anständige Renten gesichert werden könnten. Bundesrat Didier Burkhalter hat eine breit besetzte Experten-Gruppe eingesetzt, die sich über die Zukunft der Pensionskassenrenten Gedanken machen soll.”

 Radio DRS

9:10AM

NZZ zur Neuauflage der UWS-Diskussion

imageDie NZZ hat in der Ausgabe vom 6.8.11 die bereits in der NZZ am Sonntag veröffentlichten Informationen aus der laufenden Diskussion um den Bericht des Bundesrates zur Zukunft der 2. Säule und insbesondere der notwendigen Anpassung des Umwandlungssatzes übernommen und mit einigen weiteren Stellungnahmen von Seiten Arbeitgeberverband, travail suisse, SVV und ASIP angereichert. Deutlich wird, dass sich bereits wieder Grabenkämpfe abzeichnen. Die Arbeitnehmerseite verbindet die Frage mit der notorischen Legal Quote und schlägt abenteuerliche Verknüpfungen mit der AHV vor, der Arbeitgeberverband will keine Erhöhung der Lohnnebenkosten. Der ASIP wartet ab, was die Sozialpartner schliesslich entscheiden, aber von daher ist offenbar kein Konsens zu erwarten. Es steht wahrscheinlich eine Neuauflage der unerquicklichen Auseinandersetzung von 2010 bevor.

 Artikel NZZ

12:08PM

Die nächste Runde im UWS-Poker

Der NZZ am Sonntag liegt offenbar ein Entwurf des bundesrätlichen Berichts zur 2. Säule vor, der für den Herbst angekündigt wurde und neben einer Analyse der Situation beim Umwandlungssatz auch eine Gesamtschau über die künftige Entwicklung der beruflichen Vorsorge enthalten soll.

Gemäss NZZaS sieht der Bericht eine Senkung des Satzes bis 2022 auf 6,4% vor. Was das Sonntagsblatt seinen Lesern als “brisant” verkauft, stellt für die Fachwelt lediglich ein ungenügendes Minimalprogramm dar. Zu erinnern ist, dass die Publica (PK des Bundes) ihren Umwandlungssatz nächstes Jahr auf 6,15% senkt, also weit unter das vom Bundesrat für in 10 Jahren angestrebte Niveau. Gemäss Bericht sieht der Bundesrat den Grund für den Ausgang der Abstimmung zum UWS im letzten Jahr neuerdings im Fehlen flankierender Massnahmen. Es scheint, dass die ursprüngliche Begründung mit dem oft zitierten “Vertrauensverlust” mittlerweile aufgegeben wurde.

Da gemäss neuster Interpretation des Volkswillens keine Leistungseinbusse hingenommen wird, hat sich das BSV offenbar eine ganze Reihe von Massnahmen ausgedacht, um die mit der Senkung verbundene Rentensenkung auszugleichen.

Trotzdem opponiert der Gewerkschaftsbund bereits im Vorfeld grundsätzlich gegen jegliche Anpassung des Satzes. Zwar hat er die Senkung bei der Publica (wie auch bei zahlreichen anderen öffentlichen Kassen) widerstandlos geschluckt, auf der politischen Bühne wird jedoch erneut in Fundamentalopposition gemacht. Das erhöht nicht unbedingt die Glaubwürdigkeit der Argumente. Diese betreffen laut Doris Bianchi, zuständig beim SGB für Sozialversicherungen, primär das angeblich nur vorübergehend tiefe Zinsniveau sowie die zu hohen Kosten der PK-Verwaltung.

 Artikel NZZaS

3:42PM

Motion Schmid: Kompensation von Leistungskürzungen im BVG

Eingereichter Text: Der Bundesrat wird beauftragt, Artikel 79b BVG dahingehend zu ändern, dass künftig neben dem Einkauf bis zur Höhe der reglementarischen Leistungen auch die Kompensation von Leistungskürzungen infolge einer Senkung des Umwandlungssatzes möglich ist.

Begründung: Eine Senkung des BVG-Umwandlungssatzes wurde anlässlich der Volksabstimmung vom 7. März 2010 unter anderem deshalb abgelehnt, weil mit der Senkung Leistungskürzungen verbunden gewesen wären. Während des Abstimmungskampfes wurden immer wieder kompensatorische Möglichkeiten gefordert. Dazu gehören u.a. die Reduktion des Koordinationsabzuges, die Erhöhung der Altersgutschriften oder der frühere Einbezug in den Sparprozess. Eine sehr einfache und zweckmässige Lösung wäre jedoch auch die Kompensation der Leistungskürzungen durch entsprechende Einkäufe in die Vorsorgeeinrichtungen. Nach heutiger Gesetzgebung wäre dies nicht möglich, lässt Artikel 79b doch nur den Einkauf höchstens bis zur Höhe der reglementarischen Leistungen zu.

 Motion Schmid-Federer

3:14PM

Publica senkt Umwandlungssatz

publicaDie Kassenkommission der Publica hat beschlossen, infolge der steigenden Lebenserwartung den Umwandlungssatz zu senken. Die Anpassung des Umwandlungssatzes erfolgt am 01. Juli 2012. Dieser wird für das Rücktrittsalter 65 statt der heute 6.53% neu 6.15% betragen.

Mit der Senkung des Umwandlungssatzes eliminiert die Publica eine technische Verlustquelle von jährlich rund 90 Mio. Franken. Von der Senkung betroffen sind alle versicherten Personen, welche nach dem 30. Juni 2012 in Pension gehen werden.

Um der damit verbundenen Kürzung der Renten entgegenzuwirken, hat die Kasse in den vergangenen Jahren Rückstellungen für die Senkung des Umwandlungssatzes in der Höhe von 480 Mio. Franken und Rückstellungen für die Langlebigkeit für die Rentenbeziehenden von 870 Mio. Franken  geäufnet. Diese werden bis zur Senkung des Umwandlungssatzes weiterhin geäufnet. Anschliessend werden die Rückstellungen vollständig aufgelöst und den Altersguthaben der versicherten Personen bzw. den Rentendeckungskapitalien der Rentenbeziehenden gutgeschrieben. Damit soll sichergestellt werden, dass bereits laufende Renten zum Zeitpunkt der Senkung des Umwandlungssatzes nicht angepasst werden müssen.

Die Publica kann ihren Umwandlungssatz unter den BVG-Mindestumwandlungssatz von 6.8% senken, da ihre Leistungen über dem BVG-Minimum liegen. Zum Nachweis der Erfüllung der gesetzlichen Mindestpflicht wird für jede versicherte Person zur Berechnung der Mindestleistungen separat ein zweites Sparkonto mit dem Mindestumwandlungssatz nach BVG geführt.

  Mitteilung Publica

11:47AM

Umwandlungssatz oder die schrittweise Enteignung

imageKonrad Hummler, Teilhaber von Weggelin & Co., äussert sich in einem Kommentar in der NZZ zu den Machenschaften der ungarischen Regierung bei der Verstaatlichung privater Vorsorgegelder im Jahr ihrer EU-Präsidentschaft und macht dann den Schritt zur Schweiz, wo solches angeblich völlig unmöglich ist. Hummler hat seine Vorbehalte und die sind massiv: “Wie viel sauberer stehen in dieser Sache doch wir Schweizer da! Wir könnten, was der Himmel verhüten möge, ohne weiteres die EU Rats-Präsidentschaft übernehmen! Könnten wir? Nein, gerade in Sachen Enteignung von Pensionskassenvermögen nicht. Weshalb? Weil seit Jahr und Tag aufgrund des unrealistischen Rentenumwandlungssatzes die jüngere Generation zu wenig sparen kann, sprich: still und leise systematisch enteignet wird. Keine rechtsnationale Zweidrittelmehrheit wie in Ungarn, sondern die unheilige Allianz aus Sozialisten, Gewerkschaften und einer erklecklichen Zahl von SVP-Kantonalparteien hat im letzten Jahr zu einer Bestätigung dieser Enteignungsstrategie durch das Volk geführt. Der einzige sachliche Unterschied zwischen dem ungarischen und dem schweizerischen Rentenmodell liegt darin, dass das erste schlagartige, das zweite graduelle Wirkung zeitigt, was eigentlich fast noch ein wenig fieser ist, weil sie erst in ferner Zukunft sichtbar wird, dann aber ebenfalls brutal.”

Kommentar Hummler

10:35AM

Fehlende Kenntnis oder fehlendes Vertrauen?

imageDas Beratungsunternehmen Communicators hat mit Prof. Harley Krohmer, Direktor des Instituts für Marketing und Unternehmensführung an der Uni Bern, ein Interview über die Hintergründe der Ablehnung der Senkung des Mindestumwandlungssatzes geführt. Laut Krohmer zeigt das Ergebnis ein “überraschend hohes Misstrauen und Unverständnis gegenüber dem Schweizer Vorsorgesystem auf”. Die massive Desinformationskampagne der Linksparteien, Gewerkschaften und sog. Konsumentenpublikationen bleibt unerwähnt. Auszug aus dem Gespräch:

Und wie stufen Sie die Entwicklung des Wissensstandes ein?

Bezüglich des Wissensstandes könnte die Umwandlungsinitiative einen Beitrag geleistet haben, dass sich wieder mehr Versicherte mit dem Thema auseinandersetzen. Dies ist allerdings unsere subjektive Einschätzung. Konkrete empirische Ergebnisse liegen uns hierzu nicht vor.

Wo sollte man am besten ansetzen, um den Wissenstand im Vorsorgebereich zu erhöhen?

Unsere Studienergebnisse zeigen, dass den Medien in der Meinungsbildung zur beruflichen Vorsorge eine hohe Bedeutung zukommt. BVG-Verantwortliche nutzen zu je rund 60 Prozent die Tagespresse und Fachzeitschriften, um über die berufliche Vorsorge auf dem Laufenden zu bleiben. Damit rangieren Printmedien noch vor dem Rat externer Berater, die mit etwa 47 Prozent nur am dritthäufigsten als Informationsquelle genutzt werden. Die Schweizer Medien haben also auch im BVG-Bereich eine grosse Verantwortung und können einen wesentlichen Beitrag leisten, um das Verständnis zur beruflichen Vorsorge zu verbessern.

 Communicators

2:36PM

ZH-Regierung billigt Stellungnahme zum UWS

Im Kanton Zürich beschäftigte die abgelehnte Senkung des Umwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge noch einmal die Verwaltung. Zwei Kantonsrätinnen hatten sich beschwert, dass der Chef der Zürcher Beamtenversicherungskasse (BVK), Thomas Schönbächler, im BVK-Organ «Kontext» die Ja-Parole für den Urnengang vom7. März 2010 publiziert hatte. In seiner Antwort auf eine Anfrage erklärt der Regierungsrat nun, dass Schönbächlers Stellungnahme nachvollziehbar und im langfristigen Interesse der Versicherten gewesen sei. Seine Äusserungen seien sachlich begründet gewesen und hätten die Pflicht zur objektiven behördlichen Stellungnahme nicht verletzt, schreibt die NZZ.

12:49PM

Vox-Analyse: Breite Ablehnung der UWS-Anpassung

Laut der Analyse zur Abstimmung über das Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenenund Invalidenvorsorge (BVG) (Mindestumwandlungssatz) konnten die Gegner mit ihren Argumenten mehr punkten. Besonders das Argument, der tiefere Zinssatz für die zweite Säule sei nicht berechtigt und sozial ungerecht, hatte 73% der abstimmenden Bevölkerung dazu bewegt ein Nein in die Urne zu legen.

Das befürwortende Argument, die Senkung wäre wegen der steigenden Lebenserwartung unverzichtbar, denn nur so liesse sich die Rentenfinanzierung sichern, fand nicht die erhoffte Zustimmung. Lediglich 11% führten die Finanz- und Wirtschaftskrise als Grund für einen geringeren Mindestumwandlungssatz an.

Ausser den Linken stimmten auch viele Bürgerliche Nein. So sprachen sich 58% der Christlichdemokraten (CVP), 73% der Anhänger der Schweizerischen Volkspartei (SVP) und 44% der Freisinnigen (FDP) gegen die die Senkung aus. Die drei Parteien hatten die Ja-Parolen ausgegeben. Personen, die der Regierung ein gewisses Vertrauen entgegenbringen, sagten doppelt so häufig Ja als jene, die sich selbst als misstrauisch und unentschieden bezeichnen.

SwissInfo