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Die aktuelle Diskussion

Abzocker Initiative und Pensionskassen

Das Dossier orientiert über die Umsetzung der Initiative gegen die Abzockerei.

Diskussions-Anlass des Vorsorgeforums vom 28. Mai in Zürich. Infos.

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Die neuesten Ausgaben:

Nr. 240 / PDF

Nr. 241 / PDF

21.5.2013

 

BVG-aktuell Themen

Entries in Umwandlungssatz (184)

7:51AM

Jürg Brechbühl zu variablen Renten

Jürg Brechbühl, Direktor des BSV, äussert sich in einem Blick-Interview zur Diskussion um variable Renten, wie sie derzeit bei den SBB geprüft werden, sowie zu weiteren Fragen rund um das BVG. Auszüge:

BLICK: Was halten Sie vom Rentenmodell, wie es die SBB diskutieren?
Jürg Brechbühl:
Kommentieren will ich das nicht. Wichtig ist, dass sich die Pensionskasse Gedanken macht, wie sie sich auf eine solide finanzielle Grundlage stellt. Es ist Sache des Stiftungsrats zu entscheiden, ob das diskutierte Modell dem Vertrauen der Versicherten in die Pensionskasse förderlich ist.

Sie drücken sich um eine konkrete Antwort. Nochmals: Was halten Sie vom SBB-Modell?
Unser Bundesamt ist für das BVG-Obligatorium zuständig. In diesem Bereich ist dieses Modell sicher kein gangbarer Weg. Denn es hat einen grossen Nachteil: Die Rentner haben weniger Sicherheit. Doch das Vertrauen in die Rente ist für die Pensionierten ganz entscheidend.

Und für das Überobligatorium gilt dieser Grundsatz nicht?
Doch. Die Sicherheit ist zentral! Daran muss jeder Stiftungsrat denken, bevor er einen solchen Entscheid fällt. Es kommt aber auch sehr auf die einzelne Kasse an. Bei einer Kasse mit sehr guten Leistungen ist ein solches Modell eher denkbar.

Was passiert, wenn die SBB-Lösung scheitert?
Dann werden die SBB wohl den Umwandlungssatz senken, wie sie bereits angedeutet haben.

Also genau die Lösung, die Sie und SP-Bundesrat Alain Berset beim BVG-Obligatorium in der geplanten Altersvorsorge-Reform anstreben.
Um eine Senkung des Umwandlungssatzes kommen wir tatsächlich nicht herum. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Eine Senkung ist schlicht notwendig, weil sich sowohl die Lebenserwartung wie auch die Zinserwartung verändert haben. Damit die Pensionskassen den heute geltenden Umwandlungssatz von 6,8 Prozent finanzieren könnten, müssten sie pro Jahr im Schnitt 4,5 bis 5 Prozent Rendite erzielen. Das gab es in den letzten zehn Jahren nicht.

  Blick

2:24PM

Konrad: “Es dauert zu lange”

imageHanspeter Konrad, Direktor des ASIP, begrüsst zwar grundsätzlich die Vorschläge des Bundesrates für die Vorsorge 2020, aber es geht im alles zu wenig schnell. “Aus der Optik der Pensionskassen sind die Reformvorschläge des Bundesrates grundsätzlich zu begrüssen: Die Stossrichtung stimmt, und es werden die richtigen Themen behandelt - doch der Gesetzgebungs-prozess dauert insgesamt zu lange. So würde eine raschere Senkung des Mindestumwandlungssatzes den Pensionskassen die notwendige Flexibilität zurückgeben, um mit der Bildung von Rückstellungen richtig auf die Herausforderungen durch die steigende Lebenserwartung und die volatile jährliche Performance reagieren zu können”, schreibt Konrad in Stocks.

12:10PM

FuW: Die Vermeidung des zu hohen Umwandlungssatzes

Thomas Hengartner schreibt in der Finanz und Wirtschaft über die Tatsache, dass die Kassen trotz der gesetzlichen Festlegung des Umwandlungssatzes gemäss Abstimmungsergebnis 2010 die Kassen laufend ihre individuellen Sätze auf weit tiefere Niveaus absenken. Erwähnt werden u.a. Coop und Publica.

  Artikel FuW

9:02AM

NZZ: Schluss mit Flickwerk

In der NZZ kommentiert Redaktor Werner Enz die Ergebnisse der St. Galler-Studie zur Umverteilung zischen den Generationen, welche auf 110 Mrd. Franken bis 2013 veranschlagt werden: “ Prof. Eling (dürfte) mit seiner Schätzung zu hoch liegen. In der Praxis nehmen umhüllende Pensionskassen, also solche mit Überobligatorium, einen Ausgleich vor, um den übersetzten BVG-Rentenumwandlungssatz (von 6,8%) zu relativieren. Die SBB etwa setzen dort 5,8% ein. De facto bilden professionell geführte Pensionskassen seit Jahren Reserven, um die absehbare Senkung des technischen Zinses und des Rentenumwandlungssatzes vorzufinanzieren. Weiter wird bei gesprochenen Renten grösste Zurückhaltung an den Tag gelegt, wenn es um einen Inflationsausgleich geht; dies durchaus im Bewusstsein, dass faktisch eher zu hohe Leistungen ausbezahlt werden. Last, but not least bringt die steigende Arbeitsproduktivität (was zu höheren Löhnen und BVG-Beiträgen führt) ein Mehr an Flexibilität, um die tatsächlich gravierende Umverteilung von Jung zu Alt zu entschärfen.”

  NZZ

8:50AM

Interpellation SVP: “Altersvorsorge langfristig sicherstellen”

Eingereichter Text: Der Bundesrat hat kürzlich Leitlinien für ein Reformpaket zur Altersvorsorge beschlossen. Er setzt dabei auf umfassende Reformen, welche die 1. und 2. Säule betreffen und in einer einzigen Botschaft zusammengefasst werden sollen. Dieses Vorgehen birgt das Risiko einer materiellen Vermischung der einzelnen Säulen der Altersvorsorge. Der Zeithorizont für die Behandlung der Reformvorschläge erstreckt sich auf mehrere Jahre. Dies, obwohl in einzelnen Bereichen unmittelbarer und dringender Handlungsbedarf besteht. Wir bitten den Bundesrat deshalb um die dringliche Beantwortung folgender Fragen:

1. Hält er trotz der geplanten formellen Durchmischung des Reformpaketes am 3-Säulenprinzip fest?

2. Ist er nicht auch der Meinung, dass angesichts der Herausforderungen in der Altersvorsorge für verschiedene Teilbereiche unterschiedliche zeitliche Dringlichkeiten bestehen?

3. Plant der Bundesrat, falls sich die demographischen Verhältnisse ändern, automatische Anpassungen im Sinne von rasch greifenden Sanierungsmassnahmen vorzusehen?

4. Wie beurteilt er die Tatsache, dass im Bereich der beruflichen Vorsorge bereits heute unerwünschte Umlageeffekte stattfinden, obwohl die Versicherung nach dem Kapitaldeckungsverfahren aufgebaut ist?

5. Hat er in seinen Überlegungen die Tatsache berücksichtigt, dass ab 2025 grundsätzlich jede versicherte Person die volle BVG-Leistung erhält, also die Entlastung durch die Eintrittsgeneration entfällt?

6. Wie beurteilt er die Idee, das Versicherungsalter in der beruflichen Vorsorge in Bezug auf die Sparleistung früher, also vor dem 25. Altersjahr, anzusetzen?

7. Ist er bereit, in einem vorgezogenen Schritt das vom Volk 1999 genehmigte Mehrwertsteuerprozent endlich vollumfänglich der AHV zukommen zu lassen?

8. Wie schätzt der Bundesrat die Risiken einer sich verschlechternden Konjunktur auf die Perspektiven der Altersvorsorge in den nächsten Jahren ein? Plant der Bundesrat hier mit unterschiedlichen Szenarien und daraus abgeleiteten Massnahmen?

9. Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass die Altersvorsorge nicht nachhaltig über eine hohe Zuwanderung gesichert werden kann? Ist es nicht im Gegenteil so, dass die Folgen der hohen Zuwanderung die Probleme und den Sanierungsdruck in Zukunft verschärfen werden?

  Interpellation

8:46AM

Interpellation SP: “Renten sichern”

Eingereichter Text: Vor dem Hintergrund der bundesrätlichen Reformpläne zur Altersvorsorge bitten wir den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:

1. Was hat ihn dazu bewogen, zur Weiterentwicklung der Altersvorsorge von einer Einzelversicherungsoptik zu einer ganzheitlich Strategie zu wechseln?

2. Relativement aux objectifs constitutionnels applicables aux 1er et 2ème piliers, le Conseil fédéral pense-t-il que le niveau des rentes de l'AVS et de la LPP permet d'atteindre ces objectifs et pour qui et quelles catégories de revenus?

3. Est-il envisageable de procéder à un rééquilibrage entre le 2ème et le 1er pilier, par exemple, par un renforcement du 1er pilier financé par un transfert de cotisation du 2ème pilier LPP?

4. Welche Massnahmen sieht er angesichts des hohen Anteils an Frühpensionierungen vor?

5. Welche Möglichkeiten sieht der Bundesrat, den Verfassungsauftrag nach der Gleichstellung der Geschlechter sowohl für die Renten als auch für die Löhne mit dieser Reform einzulösen?

6. Welche Massnahmen ergreift er, um den Anspruch der Versicherten auf Transparenz einzulösen? Wie will er insbesondere verhindern, dass Geld, das den Versicherten gehört, über überhöhte Risikoprämien, nicht eingehaltene gesetzliche Bestimmungen bei der legal quote usw. in den Kassen der Pensionskassen und Versicherungen verschwindet? Wie können Versicherungen und Pensionskassen aus Sicht des Bundesrates das Vertrauen in der Bevölkerung zurückgewinnen?

7. Als Folge der Unternehmenssteuerreform II werden jährliche Mindereinnahmen bei der AHV von gegen 400 Millionen Franken prognostiziert. Teilt der Bundesrat diese Einschätzung? Wenn, nein, in welchem Rahmen erwartet er Mindereinnahmen durch die USR II?

8. Sind Massnahmen geplant, um diese Ausfälle bei der AHV wieder wettzumachen? Wenn nein, wieso nicht? Welche Massnahmen wären denkbar und geeignet, ohne die Situation heutiger und zukünftiger Rentenbeziehender zu verschlechtern?

9. Sind zusätzliche Einnahmenausfälle für die AHV aufgrund weiterer beschlossener und/oder geplanter Gesetzesänderungen zu erwarten?

  Interpellation

2:21PM

Die Brücke hält!

image

“Wenn ich sage, die Brücke hält, dann hält die Brücke!» Man muss den Film «Der General» (1926) von und mit Buster Keaton gar nicht gesehen haben, um das Ende zu erahnen. Die Brücke hält nicht. Wir lachen über den unglücklichen Befehlshaber und sind ihm doch verwandt: Der Glaube, Markt- und Naturkräfte aushebeln zu können, ist offenbar angeboren¨, schreibt Prof. Monika Bütler in der NZZ am Sonntag. Und fährt fort:

“Aktuelles Beispiel: der Umwandlungssatz in der beruflichen Vorsorge. Dieser beträgt noch immer 6,8 Prozent. Bei einem Zinssatz von 2 Prozent reicht das bis zur Pensionierung angesparte Vermögen nur für weitere 17 Lebensjahre. Also allerhöchstens noch für unverheiratete Männer - die einzige Gruppe übrigens, die ihre Kosten selber deckt. Alle anderen beziehen im Schnitt zusätzlich vier bis fünf Jahre Rente.

Doch während sich weite Kreise gegen jede Senkung des Umwandlungssatzes wehren, beginnen Pensionskassen reihum, einschneidende Massnahmen zu treffen, die im Endeffekt genau diese Senkung vollziehen. Einfach durch die Hintertür.”

  Artikel Bütler

10:22AM

NZZ: “Ungeduldig erwartete Reform der Altersvorsorge”

imageDie NZZ beschäftigt sich eingehend mit den Positionen des Arbeitgeberverbands. “Das bundesrätliche Reformpaket zur Altersvorsorge soll in den nächsten Wochen vorgestellt werden. Kommt das Vorhaben nicht zügig voran, wollen die Arbeitgeber Einzelpunkte wie eine Erhöhung des Frauenrentenalters vorziehen” heisst es in der NZZ. “Den dringendsten Handlungsbedarf sieht der SAV beim Mindestumwandlungssatz in der zweiten Säule. Dieser müsse rasch von 6,8 auf 6,4 Prozent gesenkt werden – den Gewerkschaften wirft er diesbezüglich eine unverantwortliche Verzögerungspolitik vor. Um die AHV sowie die zweite Säule finanziell zu entlasten, schlagen die Arbeitgeber weiter eine schrittweise Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre vor. 67 Jahre sei eine realistische Grenze, auch mit Blick auf die Arbeitsmarktchancen und Erwerbsmöglichkeiten der älteren Arbeitnehmer, sagte SAV-Vizepräsident Wolfgang Martz” schreibt die NZZ.

  NZZ

10:02AM

Arbeitgeber fordern zügige Reform der Vorsorge

arbeitgeberAn einer Medienveranstaltung forderte der Arbeitgeberverband die Fortführung der freien Festlegung der Löhne sowie einen Masterplan zur nachhaltigen Reform der Altersvorsorge und die konsequente Sanierung der IV im Rahmen der Revision 6b. Zum Thema Altersvorsorge wird festgehalten:

“Die steigende Lebenserwartung wird für beide Sozialwerke zur finanziellen Belastungsprobe
und bringt die Altersvorsorge in ein Spannungsverhältnis zwischen Kostenerhöhung und Leistungsreduktion. Ein wichtiger Faktor, der dieses Spannungsverhältnis entschärfen kann, ist aus der Sicht des SAV die Anhebung des Rentenalters respektive des Erwerbsaustrittsalters.

In der 2. Säule muss der Mindestumwandlungssatz dringend von 6,8 auf 6,4 Prozent gesenkt werden, wie Vizepräsident Wolfgang Martz bekräftigte – auch wegen der ungenügenden Kapitalrenditen. Bei der AHV besteht aus Arbeitgebersicht Handlungsbedarf, weil laut den Berechnungen des Bundes das Umlageergebnis gemäss geltendem AHV-Gesetz gegen 2020 deutlich negativ sein wird. Die Gewerkschaften verdrängen diese Realität und fordern gar einen Ausbau der ersten Säule. Damit wecken sie Illusionen – und verzögern den nötigen Reformprozess.

Der SAV sucht laut Wolfgang Martz den konstruktiven Dialog mit allen Akteuren. Wenn sich Gewerkschaften und Linksparteien aber verweigern, müssen sie damit rechnen, dass einzelne Steine aus dem System «Altersvorsorge» herausgebrochen und ohne Einbettung in eine Gesamtschau verändert werden. Ein Beispiel dafür wäre eine Vorlage zur Einführung des AHV-Rentenalters von 65 Jahren für Männer und Frauen.

Der SAV fordert demgegenüber einen integralen «Masterplan Reform Altersvorsorge» mit Orientierungspunkten für die erste und zweite Säule. Dazu gehören als wichtigste Elemente der Übergang zu einem «Rentenfenster mit Referenzrentenalter» und die Anpassung des BVG-Mindestumwandlungssatzes (unter Einbezug von Kompensationsmassnahmen zur Erhaltung des Leistungsziels).

Die Sanierung der IV bedingt die konsequente Umsetzung der Revision 6b «Die IV ist noch nicht saniert», stellte Direktor Thomas Daum fest – und präsentierte dazu folgende Fakten: Das strukturelle Defizit, das heisst die Betriebsrechnung ohne Berücksichtigung der Finanzspritze Mehrwertsteuer von jährlich über einer Milliarde Franken, bleibt bis Ende 2016 selbst im besten Szenario bestehen. Hinzu kommt die IV-Schuld gegenüber dem AHV-Fonds von rund 15 Milliarden per Ende 2011. Weil die befristete Mehrwertsteuer-Erhöhung Ende 2017 ausläuft, darf die Sanierung gemäss Daum nicht auf halbem Weg stecken bleiben.

Der SAV unterstützt laut Thomas Daum das Massnahmenpaket, das die Sozialkommission des Nationalrates geschnürt hat. Zentral ist die Einführung eines neuen, stufenlosen Rentensystems, welches Arbeitsanreize verstärkt und Schwelleneffekte eliminiert. Das heutige gestufte Rentensystem bestraft in manchen Fällen Rentnerinnen und Rentner, die ihre Erwerbstätigkeit wieder aufnehmen oder erweitern wollen. Auch die Reduktion der «Zulage für Eltern» von 40 auf 30 Prozent der Invalidenrente ist aus Arbeitgebersicht richtig – und nach Einführung des Bundeskinderzulagengesetzes sozialpolitisch absolut vertretbar. Der SAV fordert laut Daum zudem weiterhin die Einführung einer Schuldenbremse respektive Stabilisierungsregel, um die IV nach erfolgter Sanierung vor einem neuen Absturz in die roten Zahlen zu schützen.

  Mitteilung SAV / ReferateDossier IV-Revision / Reformvorschlag SGK-N /

4:35PM

Unia/Wechsler-Modell “Sicheres BVG”

Der PK-Experte Martin Wechsler hat zusammen mit weiteren Experten im Auftrag der Unia ein neues BVG-Modell zur Sicherung der 2. Säule gerechnet. Ausgegangen wird von der heutigen Problemlage in der 2. Säule, welche gekennzeichnet ist durch die tiefen Renditen, daraus folgend zu hohen Rentenzinssätzen und Umwandlungssatzverlusten sowie der zunehmenden Lebenserwartung, was zusammen gemäss Wechsler zu einer Umverteilung von Aktiven zu Rentnern von 8,5 Mrd. Franken p.a.führt. Zudem kommt es zu Sanierungsmassnahmen, welche wiederum von den Aktiven zu tragen sind und eine weitere, nicht quantifizierte Umverteilung auslösen.

Als Antwort wird das Modell “Sicheres BVG” vorgeschlagen. Es enthält folgende zentrale Elemente:

  • Die Pensionskasse finanziert und leistet die obligatorischen Altersrenten resp. anwartschaftlichen Hinterbliebenenrenten bis Alter 85.
  • Ab Alter 85 übernimmt der Sicherheitsfonds die Finanzierung der Altersrenten bzw. anwartschaftlichen Hinterbliebenenrenten bis zum Tode.
  • Verwaltungstechnisch soll das System analog aufgebaut werden wie der Ausgleich für die Zuschüsse bei ungünstiger Altersstruktur. Die Zuschüsse für Renten ab Alter 85 werden nur für den BVG-Teil der Vorsorge (also das Obligatorium) gewährt. Wo diese BVG-Anteile verwaltungstechnisch nicht gebildet wurden, soll dies mittels einer Tabelle – analog wie bei den Scheidungsberechnungen – sichergestellt werden. Die Kontrolle läuft über die Revisionsstellen wie heute bei Zuschüssen für ungünstige Altersstruktur.
  • Als Nebeneffekt kann der gesetzliche BVG-Umwandlungssatz von 6.8 % beibehalten werden, weil die Pensionskasse Renten nur bis Alter 85 bezahlen muss. Gemäss den aktuellsten Grundlagentabellen BVG 2010 mit Zinssatz 2.5 % ergibt sich ein Umwandlungssatz von 6.8 % für eine temporäre BVG-Rente bis Alter 85. 

Die Kosten für die anfallenden Renten ab 85 werden auf 44 Mio. Franken veranschlagt. Diese werden an die betroffenen Kassen ausgerichtet. Das frei werdende Deckungskapital in Höhe von rund 12 Mrd. Franken soll zwingend zur Reduktion der Rentenzinssätze verwendet werden. Möglich sind laut Wechsler 2 Prozentpunkte.

Finanziert werden die Renten ab 85 mit einem Zuschuss: Die Rentner bleiben in der Pensionskasse. Diese erhält Zuschüsse vom Sicherheitsfonds. Dies kostet für das Jahr 2010 rund 44 Mio. Franken. Finanzierungsbasis der Rentensicherungsprämie ist die BVG-Lohnsumme. Der Beitrag soll analog dem Zuschuss ungünstiger Altersstrukturen erhoben werden: Die 44 Mio. Franken entsprechen 0.035 % der versicherten Lohnsumme. Beitragszahler sind alle aktiven BVG-Versicherten und deren Arbeitgeber.

Als Vorteile des Systems werden erwähnt: Die Verzinsung des Rentnerdeckungskapitals könnte reduziert werden, PKs mit hohem Rentneranteil werden entlastet, verringerte Kapitalbildung, reduzierte Umverteilung, der heutige Umwandlungssatz könnte beibehalten werden.

Die Darstellung des Modells mit zusätzlichen Daten kann auf der Website der Dr. Martin Wechsler AG herunter geladen werden.

  Website

1:49PM

pk-Netz: Auslegeordnung zum Umwandlungssatz

pk-netz_2PW. Das pk-Netz, dem 16 Arbeitnehmerorganisationen mit 650’000 Mitgliedern angehören, hat unter dem Titel “Umwandlungssatz zwischen Theorie und Praxis” in Bern eine Tagung durchgeführt, an welcher verdienstvollerweise alle betroffenen Kreise zu Wort kamen: die Sozialpartner, das BSV, der Pensionskassenverband, die Versicherer und Stiftungsräte. Auch wenn dabei keine neuen Positionen vertreten wurden, so war doch die direkte Auseinandersetzung zwischen den diversen Interessengruppen höchst aufschlussreich. Allerdings sollte es bis kurz vor Ende der Tagung dauern, bis in die Tiefen des Gegensatzes zwischen den Sozialpartnern vorgedrungen wurde und der Unia-Vertreter Andreas Rieger klar machte: keine Rentenkürzung, aber auch nicht mehr Geld für die 2. Säule, um die Folgen einer Anpassung des Mindestumwandlungssatzes zu kompensieren. Das heisst: Ziel ist letztlich eine Verschiebung der Gewichte in Richtung AHV, für welche der Gewerkschaftsbund im kommenden Jahr mit einer Initiative eine Leistungserhöhung durchsetzen will.

Zwar ist die 2. Säule ein bemerkenswertes Werk sozialpartnerschaftlicher Solidarität, aber Sympathien geniesst sie bei den Gewerkschaften offenbar wenig. Und so eilt es ihnen auch nicht, um die seit Jahren überholten Parameter anzupassen. Die (Ersatz-) Argumente sind bekannt: man bezweifelt die technischen Grundlagen, attackiert Versicherer und Finanzdienstleister wegen überhöhter Tarife und hofft auf bessere Zeiten, welche wie einst in den 90er Jahren die notwendigen Renditen bescheren sollen.

Doris Bianchi (SGB ) opponierte mit sozialen Überlegungen gegen die Senkung, als ob mit einem höheren Satz die Kassen auch nur ein Rappen mehr Leistung ausschütten könnten. Ein technisch nicht korrekter Umwandlungssatz führt aber bloss zu mehr Mittelabfluss, Umverteilung oder höheren Beiträgen, falls nicht durch Anrechnung im Ueberobligatorium kompensiert werden kann. Das heisst, die verweigerte Anpassung trifft primär die Minimalkassen und damit vorwiegend schlecht entlöhnte Arbeitnehmer. Es war Colette Nova (BSV), die auf diesen Punkt mit aller Deutlichkeit hinwies, der auf Gewerkschaftsseite mit bemerkenswerter Nonchalance bestritten oder gänzlich ignoriert wird.

Matthias Kuert (Travail.Suisse) wiederholte die Vorwürfe an die Versicherer und Finanzdienstleister und forderte im Kern eine umfassende Perfektionierung der Rahmenbedingungen für die 2. Säule, bevor seine Gewerkschaft bereit wäre, sich auf eine Senkung einzulassen. Dass man bei T.S einer Senkung des UWS nicht grundsätzlich abgeneigt sei, reduziert sich unter solchen Umständen zum reinen Lippenbekenntnis. Anders präsentiert sich Jorge Serra, der mit seinem Pool-Modell eine praktikablen Ansatz für eine rasche Senkung entwickelt hat. Als VPOD-Sekretär ist ihm wohl bewusst, wie sehr die Basis im öffentlichen Dienst an den Pensionskassen hängt und für die Abbau- und Blockadepolitik aus der linken Gewerkschaftsecke wenig Verständnis aufbringt.

Klar hinter eine Senkung des UWS – mit oder ohne flankierende Massnahmen – stellten sich die Repräsentanten des Arbeitgeberverbands (Roland Müller), des Gewerbeverbands (Kurt Gfeller), des Pensionskassenverbands (Christoph Ryter) und der Versicherer (Donald Desax), und auch Colette Nova vom BSV liess keinen Zweifel daran, dass die Anpassung überfällig ist. Von ihr war auch zu vernehmen, dass der Bundesrat des Projekt “Zukunftsbericht” nicht weiterverfolgen wird. Zu erwarten ist hingegen – hoffentlich noch vor Jahresende – die Publikation sogenannter Eckwerte, auf welchen die Weiterentwicklung von 1. und 2. Säule in Form späterer Botschaften aufbauen soll.

Zur Fülle der Informationen kamen zwei Kurzreferate von Stiftungsräten (Brigitte Martig,Novartis und Fred Scholl, Publica). Sie erlaubten höchst anschauliche Einblicke in die konkreter Tätigkeit der Stiftungsräte angesichts schwieriger Umstände und Entscheide, die letztlich unvermeidlich in Umwandlungssätze weit unter dem heutigen Regelsatz mündete.

  pk-Netz

8:42PM

Versicherungsverband: “Absurde Vorwürfe”

Der Versicherungsverband will die Vorwürfe von Travail.Suisse nicht auf sich sitzen lassen. In einer Mitteilung wird festgehalten: “Erstens haben die angeblichen «Gewinne» der Lebensversicherer ungeachtet ihrer Höhe grundsätzlich nichts mit der Höhe des Umwandlungssatzes zu tun und damit auch nicht mit der «Unterfinanzierung» der Altersleistungen. Der Vorwurf von Travail.Suisse, die Gewinne der Lebensversicherer würden die Reform der 2. Säule blockieren, ist schon alleine deshalb völlig deplatziert. Gezielt blockiert wird die Reform vielmehr durch Travail.Suisse selbst.

Der Verband verknüpft einmal mehr den Umwandlungssatz mit der Mindestquote, um bei der unvermeidlichen Senkung des Umwandlungssatzes politische Erfolge zu erzielen, die Lebensversicherer aus der beruflichen Vorsorge zu drängen und den Weg für eine Volkspension zu ebnen.

Zweitens handelt es sich bei den erwähnten Zahlen nicht um «Gewinne», sondern um den in der Betriebsrechnung transparent und nachvollziehbar ausgewiesenen Anteil der Versicherer. Selbstverständlich wird unterschlagen, dass aus diesem Anteil der Versicherer insbesondere das Solvenzkapital zu äufnen und Steuern zu bezahlen sind.”

Der SVV hält erwartungsgemäss auch wenig von den Forderungen, die Risikoprämien nach Massgabe der ausgerichteten Leistungen zu berechnen und die Legal Quote um 5 Prozentpunkte nach oben zu schrauben. In der Tat handelt es sich dabei um Populismus der übleren Sorte. Er gibt sich naiv, ist aber politisch knallhart berechnet.

  Mitteilung SSV

2:29PM

Die Gewinne der Versicherer

imageTravail.Suisse hat einen Medienanlass dem Thema Gewinne der Lebensversicherer gewidmet. Gemäss ihren Angaben belaufen sie sich auf 600 Mio. Franken jährlich, die der “2. Säule entzogen” würden. Vom Bundesrat wird gefordert, dass er die Risikoprämien auf max. 120% der Leistungen senkt und die Legal Quote auf 95% erhöht. Für die Gewerkschaft kommt solange eine Senkung des Umwandlungssatzes nicht in Frage, bis diese Forderungen erfüllt sind. Dass sowohl Legal Quote wie auch Risikoprämien mit dem Umwandlungssatz nicht das geringste zu tun haben, sei hier der Vollständigkeit halber noch angefügt.

  Travail.Suisse / Bericht NZZ

5:17PM

Swisscanto PK-Herbstgespräch: Aufhellungen und offene Fragen

image

Swisscanto hat an ihrem traditionellen Herbstgespräch zur Situation der 2. Säule einige positiv stimmende Daten zur Entwicklung von Performance und Deckungsgrad im laufenden Jahr bekannt gegeben. Trotz der anhaltenden Währungsturbulenzen und Eurokrise haben sich insbesondere Aktien gut entwickelt. Der Pictet-Index BVG 25 legte seit Jahresbeginn um 6,7% zu, BVG 25plus um 6,9%. Entsprechend haben sich die Deckungsgrade verbessert. Aufgrund eigener Hochrechnungen kommt Swisscanto laut Othmar Simeon per Ende August für die privaten Kassen auf einen durchschnittlichen Deckungsgrad von 107% (Ende 2011: 103%). Bei den öffentlichen Kassen erreichen jene mit Vollkapitalisierung (keine Staatsgarantie) 99 (95)%, die mit Teilkapitalisierung 75 (72)%. Das Jahr ist damit nach Einschätzung von Swisscanto besser als erwartet verlaufen und dürfte eine Performance zwischen 6 und 8% ergeben. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt die Stabilisierungspolitik der Nationalbank, welche den Kassen Währungsverluste erspart hat.

Die weitere Kapitalmarktentwicklung sieht aufgrund der von der EZB abgegebenen Garantien ebenfalls recht gut aus. Die meisten Aktienmärkte sind laut Peter Bänziger, CIO von Swisscanto, unterbewertet. Dies weniger in der Schweiz als insbesondere in der EU, wo die Unterbewertung einen historischen Höchststand erreicht hat. Die Wirtschaftsaussichten sind hingegen weniger rosig. Die höchste Wahrscheinlichkeit wird  für die Weltwirtschaft einem Szenario mit Stagflation eingeräumt (60%), es folgen “Japanisierung” (25%), Depression (10%) und rasche Erholung (5%).

Also Entwarnung für die 2. Säule mit dem steten Ruf der Kassen nach einer weiteren Senkung des Umwandlungssatzes? Hanspeter Konrad, Direktor des ASIP, warnte, dass mit den politischen Entscheiden nicht mehr allzu lange zugewartet werden dürfe. Den meisten Kassen fehlen ausreichende Schwankungsreserven. Es gehe nicht um Abbau, sondern um Sicherung der Leistungen. Die folgenden Fragen müssten beantwortet werden: Finanzierung bei tiefem Zinsniveau und DG, Anpassung der Leistungsparameter, Anstieg der Lebenserwartung und Generationensolidarität (Umverteilung). Der ASIP favorisiert eine UWS-Anpassung mit flankierenden Massnahmen, um das bestehende Leistungsziel (incl. AHV 60%) garantieren zu können. Ein Ausgleich für die UWS-Senkung über die AHV wird angesichts der Tatsache, dass diese in wenigen Jahren massiv mit den Auswirkungen der Demographie zu kämpfen haben wird, entschieden abgelehnt.

Konrad verwies bezüglich UWS-Anpassung schliesslich darauf, dass viele Pensionskassen ihren Umwandlungssatz sozialpartnerschaftlich bereits auf ein Niveau gesenkt hätten, das von den Gewerkschaften als unakzeptabel qualifiziert werde.

  Swisscanto PK-Studie / Bericht NZZ

12:23PM

Tagung des PK-Netz’ zum Umwandlungssatz

pk-netzAus aktuellem Anlass lädt das PK-Netz am 30. Oktober 2012 in Bern zu einer Tagung zum Mindestumwandlungssatz. Für die Referate und für die Podiumsdiskussion konnten wichtige Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite sowie des Bundesamtes für Sozialversicherungen und der Pensionskassen gewonnen werden.

Das PK-Netz schreibt dazu: “Das Eidgenössische Departement des Innern hat Anfangs Jahr den Bericht über die Lage der 2. Säule in die Anhörung gegeben. Anhand des Berichts und der Anhörungsergebnisse will die Regierung Reformen vorschlagen. Diese Anhörungsergebnisse liegen nun vor, die Diskussion um den Mindestumwandlungssatz MUS ist in vollem Gange. Die technischen Grundlagen zeigen, dass sich die Lebenserwartung in den letzten 5 Jahren noch einmal deutlich erhöht hat. Gleichzeitig hat sich in den letzten Jahren das Zinsgefüge deutlich nach unten entwickelt, was sich auch in immer tieferen Mindestzins-Vorschriften niedergeschlagen hat. Diese beiden Parameter – Lebenserwartung und Zinsniveau – verleiten Bundesrat, Pensionskassenverband und Pensionskassenexperten dazu, erneut eine Senkung des Mindestumwandlungssatzes zu fordern. Allerdings haben diese Kreise noch nicht vergessen, wie deutlich sie mit ihren Plänen in der Volksabstimmung vom 7. März 2010 gescheitert sind."

 Tagung

9:47AM

Anhörung: Bericht über die Zukunft der 2. Säule

Ende Dezember 2011 hat das Eidgenössische Departement des Innern die Anhörung zum Bericht zur Zukunft der 2. Säule eröffnet, welche am 30.4. endete. Der Bericht enthält eine umfassende Problemanalyse und Lösungsansätze zu den verschiedenen Reformpunkten, insbesondere zum Mindestumwandlungssatz, zur Legal Quote und zu den Verwaltungskosten. Die Ergebnisse der Anhörung fliessen in eine Reformagenda des Bundesrates ein, welche dem Parlament vorgelegt wird. Das BSV hat nun den 70seitigen Bericht mit den Ergebnissen der Anhörung publiziert. Die Autoren des Berichts enthalten sich jeglicher Wertung und beschränken sich darauf, im Detail die Antwortenden zu allen Fragen gemäss ihrer Meinung aufzulisten, wobei über die berühmt gewordenen “eher ja” und “eher nein” auch die ausgeschriebenen Kommentare teils ausführlich zitiert werden.

 Ergebnisse der Anhörung

3:03PM

Steigende Lebenserwartung und tiefe Renditen

imageDie Alterung der Gesellschaft und die tiefen Renditen am Kapitalmarkt stellen die berufliche Vorsorge vor grosse Herausforderungen. Jérôme Cosandey erklärt im Interview mit Swiss Life Update, wie diese gemeistert werden können. Auszug:

Was würde denn passieren, wenn man nichts tut? 
Bereits heute werden die zu hohen Renten mit über 600 Millionen Franken pro Jahr quersubventioniert. Diese Zahl ist eine konservative Rechnung des Bundes. Realistischer ist eher eine Milliarde Franken jährlich, und diese Zahl wird mit der weiter steigenden Lebenserwartung in Zukunft noch mehr zunehmen.

Die Vollversicherung erfreut sich steigender Beliebtheit, obwohl diese Garantie etwas kostet. Wie erklären Sie sich das?
Die heutige Zeit ist von unsicheren Wirtschaftsprognosen geprägt: Viele Länder sind in einer Rezession, Europa kämpft mit der Schuldenkrise, und der Franken bleibt stark. Viele Unternehmen sind in ihrer Planung mehr denn je gefordert. Deswegen wollen vor allem KMU die Komplexität reduzieren, sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und sich nicht noch mit den Anlagen und der Verwaltung einer eigenen Pensionskasse beschäftigen. Zudem kostet auch die Sanierung einer Pensionskasse etwas. Diese Kosten könnten sich laut einer Studie von Ernst & Young viele KMU gar nicht leisten – die Vollversicherung ist also Teil des Risikomanagements. Ausserdem wissen die KMU aus ihrem eigenen Geschäft, dass Garantien etwas kosten. Und für diese Sicherheit zahlen sie gerne etwas.

Dennoch sind Versicherer wie Swiss Life als Anbieter der Vollversicherung immer wieder harter Kritik ausgesetzt. Warum ist das so, wenn das Angebot doch einer Nachfrage entspricht?
Es sind vorwiegend ideologische Gründe, die dazu führen. Manche Kreise wünschen sich eine staatliche Einheitskasse im BVG.

avenir suisse

3:45PM

TA: “Es wird ein Klima der Angst verbreitet”

PW. Im Tages-Anzeiger fasst Hubert Moser die aktuelle Verfassung der  Pensionskassenwelt aus seiner Sicht zusammen. Im Zentrum steht der Umwandlungssatz. Moser richtet sich in der Beurteilung der Notwendigkeit einer Senkung an der Politik der SP aus und insbesondere an Aeusserungen von NR Stéphane Rossini (SP Wallis). Demzufolge ist die tiefe Verzinsung eine vorübergehende Erscheinung und die Senkung des Umwandlungssatzes erst dann zu diskutieren, wenn die Versicherungen und Vermögensverwalter nicht mehr länger Milliardenbeträge abkassieren. Das ist alles nicht neu und überraschend und auch die ideologisch eingefärbte Behandlung des Themas durch den TA ist es nicht.

Fragt man sich als Leser: Reicht der Ehrgeiz der Tages-Anzeiger-Redaktion wirklich nicht weiter als bis zu einer so oberflächlichen um nicht zu sagen abstrusen Darstellung einer Frage von so hoher sozialpolitischer Bedeutung? Es reicht wohl der folgende Abschnitt, um den Artikel als ganzes verlässlich einschätzen zu können: “Das bei der 2. Säule angesparte Kapital muss also für eine längere Zeit ausreichen. Um das auszugleichen, braucht es entweder höhere Beiträge oder tiefere Renten. Nur ist die Linke nicht bereit, darüber zu diskutieren, solange die Pensionskassen bei der Verwaltung der Guthaben Milliardenbeträge auf Kosten der Versicherten abkassieren – ganz legal. Sie dürfen von den Bruttoerträgen 10 Prozent für sich abzweigen. Die Verwaltung der Pensionskassengelder kostet so über 20-mal mehr als jene der AHV.” Falls das nicht reichen sollte, führen Sie sich die Leserkommentare zu Gemüte. Aber seien Sie gewarnt, es  kommt noch schlimmer.

 Tages-Anzeiger

4:28PM

NZZaS: “Die Schweiz sieht ihrer Rentenkrise tatenlos zu”

In der NZZ am Sonntag beschreibt Charlotte Jaquemart die aktuelle Verfassung der 2. Säule: “Eigentlich liegen die Pensionskassen bereits auf der Intensivstation. Doch die Politik foutiert sich darum. Dabei ist die Diagnose einfach: Die Pensionskassen zehren seit zehn Jahren von ihrer Substanz. Geht es in ähnlicher Agonie weiter, «fährt der Karren an die Wand», wie Colette Nova, die Verantwortliche beim Bund für die zweite Säule, jüngst treffend sagte.”

Als Krankheitssymptome erkennt sie Ueberreglementierung, tiefe Renditen, zu hohe technische Parameter. Als Therapie empfiehlt sie weniger Regeln, Abschaffung von Mindest-Umwandlungssatz und BVG-Zins. Da sich die  die Gewerkschaften dagegen sperren, schlägt Jacquemart Ausgleichsmassnahmen im BVG oder Ausbau der AHV vor. “Im Gegenzug müssten die Gewerkschaften allerdings den Verzicht auf die ruinösen Garantien wie Mindestzins und Mindestumwandlungssatz unterstützen und ihr Rentenklau-Geheul in der Mottenkiste verstauen.”

NZZaS

10:34AM

Swisscanto-Umfrage: BV zwischen Versicherungstechnik und Politik

swisscantoP.W. Swisscanto hat an einer Präsentation in Zürich die Resultate ihrer 12. Umfrage bei den Schweizer Pensionskassen präsentiert. Diese erweist sich erneut als umfassende und unverzichtbar gewordene Quelle einer Vielzahl von Detailangaben über die 2. Säule, welche sonst nicht greifbar wären. Die Vorstellung der Ergebnisse war traditionell begleitet von einer Podiumsdiskussion, welche das Spannungsfeld aufzeigt, in welcher sich die Vorsorge abspielt. Bei den Teilnehmern handelte es sich um Vertreter der Sozialpartner, Fachverbände, PK-Experten und Verwaltung, womit das massgebliche Spektrum noch keineswegs vollständig abgebildet wurde.

Colette Nova hatte ein weiteres Mal Auskunft zu geben über den Einfluss ihres Frontenwechsels von der Gewerkschaft ins Bundesamt und einen damit verbundenen, allfälligen Meinungswandel bezüglich Umwandlungssatz. Das Thema dürfte sie noch geraume Zeit verfolgen, zumal man hierzulande wenig geneigt ist, eine einmal vorgenommene Schubladisierung der Akteure zu überdenken. Dass ihr Wechsel so bedeutsam erscheint, ist aber auch Ausdruck davon, wie immens die Politisierung der 2. Säule geworden ist, welche die eigentlich zentralen aktuarischen Aspekte zunehmend in den Schatten stellt.

Davon sind neuerdings sogar die Sterbetafeln betroffen, welche vom Gewerkschaftsbund angezweifelt werden. Aber die kritisierten Unterschiede zwischen VZ 2010 und BVG 2010 sind minim, worauf Patrick Spuhler (Swisscanto) verwies. Würden “amtliche” Grundlagen, wie sie Jorge Serra, Zentralsekretär des VPOD, sich wünscht, anders herauskommen? Wohl kaum. Auch die vom SGB erhobene Forderung, für eine UWS-Senkung sei die Sterblichkeit für die Versicherten im BVG-Obligatorium resp. für Angehörige mit körperlich anstrengenden Berufen  gesondert zu erheben, dürfte keine wesentlichen Differenzen zu Tage fördern. Nova jedenfalls äusserte dazu ihre Zweifel. Anfragen bei Kassen mit hohem “Büezer”-Anteil hätten keine tiefere Lebenserwartung gezeigt.

Eine gewisse Übereinstimmung bezüglich einer künftigen UWS-Senkung liess sich in der Forderung nach flankierenden Massnahmen erkennen, wie sie auch Hanspeter Konrad (Direktor ASIP) vertrat. Ob allerdings die von einer Senkung konkret betroffenen Versicherten (es handelt sich um eine relativ kleine Minderheit) auch bereit sind, die damit verbundenen Kosten zu tragen, ist ungewiss. Und ungewiss ist laut Spuhler insbesondere, ob die jeweiligen Arbeitgeber dazu in jedem Fall in der Lage wären. Es fehlten dafür die bei grossen Kassen vorhandenen “Puffer”.

Wie wird es weitergehen? Das BSV ist derzeit mit der Auswertung der Anhörung zum bundesrätlichen Zukunftsbericht beschäftigt. Laut Nova gehen die eingegangenen Meinungen weit auseinander. Damit kommt der Bundesrat nicht darum herum, seine eigenen Vorgaben zu formulieren. Diese scheinen noch längst nicht ausformuliert.

Swisscanto PK-Studie